Montalcino
Montalcino,
dieser "leuchtende Ort", erhebt sich auf 564 m. ü. M. über
den Flusstälern des Ombrone im Nordwesten, des Orcia im Süden und
des L'Asso im Osten. Die Region Montalcino umfasst beinahe 240 Quadratkilometer.
Etwa die Hälfte davon sind fruchtbares Marschland, Felder und Wälder.
Die Fauna ist sehr vielfältig. Anzutreffen sind Falken, Otter, Luchse,
Dachse, Keiler, Stachelschweine, Hirsche und Rehe, Fasane, Feldhasen, Füchse
und Grauwölfe, um nur einige zu nennen.
Montalcinos
ursprünglicher Name war Monte Ilcinus, benannt nach den dort wachsenden
Steineichen "Quercus ilex". Die Eichen haben schon seit prähistorischer
Zeit die Hügel und Täler der Umgebung bedeckt, daneben prägen
aber auch Olivenbäumen, Kastanien und die berühmten Brunello Reben,
auch bekannt als Sangiovese Grosso, die ländlichen Gebiete der Südtoskana.
"Von hier oben ist das Panorama atemberaubend", schwärmte
Gabriele D'Annunzio in einem seiner grossen Werke und nannte Montalcino "Fensterbank
der Apokalypse. An einem klaren Tag kann man mit blossem Auge Korsika, die Inseln
Elba und Giglio sowie das Thyrennische Meer (...)ausmachen. In unmittelbarer
Nähe sieht man die Städte Siena, Pienza und Montepulciano und man
erkennt den seit langem schlafenden Vulkan Monte Amiata, der seinen Schatten
auf unser Tal wirft."
Obwohl die Geschichte unserer Region mit dem Laufe der Zeit etwas in
Vergessenheit geraten ist, haben archäologische Funde, die kürzlich
in Montalcino und der unmittelbaren Umbebung der Stadt gemacht wurden, etwas
Licht in die Mythen und Legenden gebracht. Ausgrabungen in der Nähe des
Flusses Ombrone haben neolithische Artefakte nach mehr als 2400 Jahren wieder
ans Tageslicht gebracht. Zudem wurden ganzen Dorfsysteme, datierend aus der
Kupfer- resp. Bronzezeit, etruskische und römische Bauten, Gräber
sowie Grundmauern alter Villen entdeckt. Die Erkenntnisse aus diesen Funden
bestätigt die Annahme, das Monte Ilcinus (Montalcino) schon in früherer
Zeit ein blühendes Handelszentrum war, wo landwirtschaftliche Produkte
wie Olivenöl, Wein oder Käse hergestellt und nach Rom und in die gesamte
alte Welt exportiert wurden.
Der Name "Montalcino" erschien erstmals in Dokumenten von 814 n.Chr.,
als die Stadt unter die Kontrolle der Abtei S. Antimo kam. Später gewann
sie jedoch ihre Unabhängigkeit wieder zurück und wurde zu einem Freistaat.
In der ersten Dekade des 10. Jahrhunderts wurde Montalcino von Flüchtlingen
aus Roselle besiedelt, einem Ort 35 km westlich von Montalcino in Richtung Grossetto.
Um 1100 entwickelte sich Montalcino zu einem strategisch wichtigen Ort und verbündete
sich mit Florenz. 1212 kam die Stadt jedoch unter die Kontrolle der Sieneser,
doch schon wenig später erklärten sich die Bewohner Montalcinos wieder
zu freien Bürgern und verbündeten sich erneut mit Florenz. Nach der
Niederlage der Florentiner in Monteaperti 1260 fiel Montalcino wiederum unter
die Herrschaft Sienas. Doch aufgrund der strategisch wichtigen Lage erlaubte
der Vertrag die Beibehaltung des Status' als freie Stadt.
Während der folgenden 250 Jahre wurde die von den Sienesern stark befestigte
Stadt fünfmal belagert. Nach 1555, als Siena an Florenz fiel, erhielten
die Edelleute Sienas Zuflucht in Montalcino. Es erfolgte eine erneute fünfjährige
Belagerung, bis sich die Stadt 1559 ergab und an Florenz und Cosimo I. ging.
Mit Montalcinos Niederlage war auch die Zeit der Freistaaten in Italien zu Ende.
Das örtliche Museum im ehemaligen Kloster S. Agostino beherbergt heute
eine Sammlung von Meisterwerken, die teilweise bis ins 12. Jahrhundert zurückdatieren.
Ausgestellt sind Gemälde unbekannter Meister der Sieneser Schule aus dem
12. und 13. Jahrhundert. Ebenfalls vertreten sind bekannte Werke wie "Abstieg
vom Kreuz" von Luca di Tomme und "Krönung der Jungfrau"
von Bartolo di Fredi.
Zur Sammlung gehören ausserdem bemalte Holzstatuen aus dem 14. und 15.
Jahrhundert sowie eine Miniaturbibel, die "Atlantische Bibel", illustriert
mit Bildern Sieneser Künstler aus dem 12. Jahrhundert. Das Museum beherbergt
zudem eine bemerkenswerte Sammlung von Terracotta-Werken von Andrea Della Robbia
sowie die vollständigste Sammlung archaischer Tonwaren (Maiolica), hergestellt
von ortsansässigen Künstlern im 12. und 14. Jahrhundert.
Die archäologische Abteilung präsentiert Artefakte von Ausgrabungen aus der Region. Gezeigt werden Werkzeuge und Ornamente aus der Neolithischen-, Bronze- und Eisenzeit ergänzt mit etruskischen Bestattungsurnen, Vasen und römischen Ornamenten.
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